Cannabinoide als therapeutische Hilfe bei psychischen Erkrankungen

  • Josef Odermatt

– erste Studien zeigen, dass CBD für Betroffene eine Lösung sein könnte. 

Etwa jeder vierte Mensch in Europa erkrankt in seinem Leben mindestens einmal an einer posttraumatischen Belastungsstörung oder eine psychische Erkrankung. Häufig entstehen diese durch traumatische oder stressreiche Ereignisse, die dann zu psychologischen Stresssymptomen wie Ängsten, Ärger oder Dissoziationen führen. Ein schwerer Unfall, Todesangst, sexueller Missbrauch und andere kriminelle Gewalterfahrung, aber auch Naturkatastrophen und Pandemien wie die Corona-Krise sind nur beispielhaft genannte Ursachen für PTBS Erkrankungen. 

Von Angst, über Depression bis Suizidgedanken
Betroffene leiden häufig sehr unter der PTBS Erkrankung. Viele durchleben das traumatische Ereignis ungewollt immer und immer wieder. Unkontrolliertes Erinnern und hochemotionale Flashbacks bestimmen häufig den Alltag. Der Versuch der Vermeidung und Verdrängung führt oftmals zu Reizbarkeit, Nervosität und starken Ängsten. Alle anderen Gefühle treten in den Hintergrund. Interessen und Aktionismus schwinden immer mehr. Ein Teufelskreislauf beginnt. Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken folgen. Neueste Studien machen Betroffenen Hoffnung. Eine medizinische Behandlung mit Cannabinoide könnte bald vielleicht eine Lösung zur Behandlung der Symptome von PTBS sein. Die Einnahmen von CBD zur Symptomlinderung ist unter den Erkrankten bereits als Selbsthilfe-Tipp bekannt, allerdings fehlte es bis jetzt an national repräsentativen Forschungsergebnissen, um Cannabis auch als medizinisches und therapeutisches Mittel anzuerkennen.
 
Die kanadischen University of British Columbia (UBC) erforscht die Wirkung von CBD zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen
Das Journal of Psychopharmacology veröffentlichte zu der Thematik bereits vor einiger Zeit einen Bericht über Forschungen an der University of British Columbia (UBC). Die kanadischen Forscher beschäftigten sich mit der Frage ob Cannabiskonsum den Zusammenhang zwischen posttraumatischen Belastungsstörungen und einer schweren depressiven Episode oder Selbstmordgedanken verändert und so für Betroffene eine Linderung bei PTBS-Symptomen bringen kann. 
Im Rahmen der Forschung wurden 24.000 PTBS Erkrankte beobachtet. Ein Großteil der Probanden, die kein Cannabis konsumierten verfielen im Laufe der Zeit in eine schwere depressive Krankheitsphase mit Selbstmordgedanken. Die Auswertungen zeigten, dass ohne Cannabiskonsum die Wahrscheinlichkeit einer depressiven Krankheitsepisode um das Siebenfache steigt. Eine Suizidgefahr liegt fast fünfmal höher als bei Erkrankten, die Cannabis konsumieren. Zudem zeigten sich keine weiteren Depressiv-Phasen.
Weitere Studien zur Untersuchung des Nutzens von Cannabinoide zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen und psychischen Erkrankungen sind geplant um die ersten Hinweise qualitativ hochwertigen experimentellen Untersuchungen der Wirksamkeit untermauern zu können.
 
Quellen:
https://www.bundeswehr.de/de/betreuung-fuersorge/ptbs-hilfe/trauma-ptbs/statistik
https://www.uni-bielefeld.de/psychologie/abteilung/arbeitseinheiten/07/PTBS/

Does cannabis use modify the effect of post-traumatic stress disorder on severe depression and suicidal ideation? Evidence from a population-based cross-sectional study of Canadians - Stephanie Lake, Thomas Kerr, Jane Buxton, Zach Walsh, Brandon DL Marshall, Evan Wood, M-J Milloy, 2020 (sagepub.com)

Bild von StockSnap auf Pixabay
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